Differenzialrechnung

In der Schule war ich gut in Mathe. Jedenfalls als es auf das Abitur zuging. Ich erinnere mich noch (auch wenn das schon verdammt lange her ist) an meine mündliche Prüfung in Mathe. Parabel, Steigungsdreiecke, Grenzwertbetrachtung und Tangentensteigung – all das hatte ich gut gelernt, und die Prüfungsfragen waren so eine Art Elfmeter für mich.

Nie wirklich gut war ich dagegen in Sport. Fussball machte zwar Spaß, aber da gab es immer andere, die besser waren und einem sowohl den Ball als auch die guten Noten wegnahmen. Badminton hatte durchaus was, aber man musste immer aufpassen, daß man nicht versehentlich gegen die einzige Vereinsspielerin im Kurs ran musste, weil man da sicher deklassiert wurde. Ist mir einmal passiert … hmpf. Bei den unvermeidlichen Turnsportfesten habe ich mich immer freiwillig zum Bodenturnen gemeldet – da standen wenigstens keine Geräte im Weg, die in irgendeinem ursächlichen Zusammenhang mit eventuellen Knochenbrüchen stehen konnten. Alles in allem: ich war kein Sportler.

Das wurde während des Studiums und in der Zeit der Berufsausübung danach noch schlimmer. Man lernte Studentenkneipen und Fastfood kennen, ruinierte sich den Kreislauf mit Zigaretten, ruinierte sich die Figur, indem man mit dem Rauchen aufhörte (was den Kreislauf natürlich NICHT wieder auf Trab brachte) und lernte den sozialen Druck des gemeinsamen Mittagessens in der Kantine kennen: man will ja weder alleine am Schreibtisch zurückbleiben noch sich mit welkem Billigsalat zufrieden geben, während die anderen sich ein Schnitzel reinhauen.

Und nun?

Vor etwa drei Wochen habe ich angefangen, zu laufen. Vielleicht spielte der Morgan-Chase-Lauf hier in Frankfurt, an dem einige Kollegen teilgenommen haben, eine Rolle bei der Entscheidung. Ich hatte zwar vehement jede Beteiligung abgelehnt, aber einen kleinen Stich hat es vielleicht doch gegeben, nicht dabei zu sein. Oder war es ein guter Freund (und Kollege), der den Lauf zum Anlass genommen hat, wieder etwas für seine Fitness zu tun?

Ich bin mir nicht so ganz sicher, was letztlich den Ausschlag gegeben hat, aber das ist auch nicht so wichtig. Wichtig ist, dass ich meinen inneren Schweinehund besiegt habe und einfach angefangen habe, was für mich zu tun. Ich habe mir auch keine sonderlich hohen Ziele gesteckt (ich will zweimal Laufen pro Tag nicht unterschreiten, das ist moderat), weil ich mir nicht selbst die Lust nehmen will, weiterzumachen. Die Ziele kommen dann von selbst, wenn man erste Erfolge sieht: “Den einen Kilometer schaffe ich jetzt auch noch.” “Morgen schaffe ich die Runde unter einer halben Stunde.” “Wenn ich noch zwei Kilo mehr runter habe, dann gönne ich mir mal wieder ein gutes Glas Wein.” “Ich will wieder in die alte Jeans (zwei Größen kleiner als meine jetzigen) passen, die da noch im Schrank hängt.” Wenn man sieht, dass das wirklich machbar ist, dann fällt auch das durchhalten leichter. Auch wenn bei dem derzeitigen Wetter die Steigungen (und damit wären wir wieder beim Anfang des Artikels) schon deutlich mühsamer sind als die in der Abiturprüfung damals. Aber es macht halt Spaß, etwas zu schaffen, von dem man gar nicht gedacht hätte, dass man es könnte.

Und am Samstag machen wir zu viert einen Schnupperkurs im Nordic Walking!

Dieser Beitrag wurde gepostet am 29.06.2010 um 14:44 in Laufen, Sport. Sie können alle Kommentare zu diesem Beitrag im RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie können einen Kommentar schreibenoder einen Trackback von Ihrer eigenen Website setzen.

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